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Rückenschmerzen in der Schwangerschaft: vier Muster, vier Tests

vor 3 Stunden
6 Min. Lesezeit

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Begleitern einer Schwangerschaft. Hinter dem einen Wort stecken aber vier Muster: die Lendenwirbelsäule, der Beckengürtel mit den Iliosakralgelenken (ISG), die Symphyse vorne am Schambein und der Ischias. Wer sein Muster kennt, steigt anders aus dem Tram, nimmt im Hauptbahnhof einen anderen Weg und beschreibt die Beschwerden bei Hebamme oder Frauenärztin genauer.


Ich bin Alexander Reimer und behandle in meiner Praxis an der Seidengasse 17 in Zürich auch Frauen in der Schwangerschaft. Hier bekommen Sie je Muster einen Selbsttest, eine Alltagsliste für Tram, Treppe und Tragen und zwei Warnzeichenlisten. Der Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung.


Warum der Rücken schmerzt, und ab wann


Mit dem wachsenden Bauch wandert der Schwerpunkt nach vorne, die Rückenmuskulatur leistet mehr Haltearbeit, viele gleichen mit einem Hohlkreuz aus. Schwangerschaftshormone machen Bindegewebe und Bänder weicher; wie viel davon die Schmerzen erklärt, ist nicht abschliessend geklärt, denn das Becken bleibt auch in der Schwangerschaft stabil.


Ab wann: Manche spüren schon im ersten Drittel ein Ziehen. Die meisten bemerken die Beschwerden, wenn der Bauch sichtbar wird; im letzten Drittel sind sie am deutlichsten. Beckengürtelschmerzen betreffen nach der europäischen Leitlinie etwa jede fünfte Schwangere.


Vier Muster, je ein Selbsttest


Die Tests sind eine Orientierung für das Gespräch mit Hebamme, Frauenärztin oder mir, keine Diagnose. Abbruchregel: Brechen Sie jeden Test ab, sobald es deutlich wehtut, der Bauch hart wird oder Ihnen schwindlig ist.


1. Lendenwirbelsäule


So fühlt es sich an: dumpf, in der Mitte oder beidseits oberhalb des Beckenrandes, etwa auf Gürtelhöhe. Schlimmer nach langem Sitzen oder Stehen, besser nach einem Positionswechsel.


Test: Legen Sie sich auf die Seite, Knie angezogen, und warten Sie zwei Minuten. Lässt der Schmerz spürbar nach und sitzt er oberhalb des Beckenrandes, spricht das für die Lendenwirbelsäule und die Muskulatur daneben.


2. Beckengürtel und ISG


So fühlt es sich an: tief, meist einseitig, neben dem Kreuzbein oder im Gesäss, oft in die Rückseite des Oberschenkels ziehend, selten unter das Knie. Typisch: Umdrehen im Bett, Einbeinstand beim Anziehen, Treppen, Aussteigen aus dem Auto.


Test: Steigen Sie eine Treppenstufe hoch, erst mit dem einen, dann mit dem anderen Bein. Sticht es auf einer Seite tief neben dem Kreuzbein, spricht das für den Beckengürtel. Was in der Schwangerschaft am ISG helfen kann und wie ich das Becken in dieser Zeit behandle, steht auf der Seite Becken-Therapie in der Schwangerschaft.


3. Ischias


So fühlt es sich an: ziehend oder brennend vom Gesäss die Rückseite des Beins hinunter, über das Knie hinaus bis in Wade oder Fuss, oft mit Kribbeln, Taubheit oder Schwäche. Husten und Niesen verstärken ihn.


Test: Heben Sie in Rückenlage, mit Kissen unter dem Oberkörper, das gestreckte Bein langsam an. Zieht der Schmerz bis unter das Knie, ist eher der Nerv beteiligt. Bleibt er im Gesäss oder am Oberschenkel, ist es wahrscheinlicher ein Beckengürtel- oder Muskelschmerz, der sich nur wie Ischias anfühlt.


4. Beckengürtel oder Symphyse: drei Fragen


Frage

Beckengürtel / ISG

Symphyse

Wo tut es weh?

hinten neben dem Kreuzbein, Gesäss, Rückseite Oberschenkel

vorne am Schambein, Leisten, Innenseite Oberschenkel

Was löst es aus?

Treppe, Einbeinstand, Umdrehen im Bett, langes Sitzen

Beine spreizen, Einbeinstand, Umdrehen im Bett, oft nachts

Test

Treppenstufe, einseitiger Stich hinten

Einbeinstand mit angehobenem Knie, Stich vorne am Schambein; nicht selbst aufs Schambein drücken


Beides kommt oft zusammen vor; die Behandlung beider Muster beschreibe ich auf der verlinkten Beckenseite.


Unterwegs mit Bauch: Tram, Treppe, Tragen


Die Liste ist nach Muster sortiert; was nicht zu Ihrem Muster passt, dürfen Sie weglassen.


Bei allen Mustern


  • Im Tram und in der S-Bahn den angebotenen Sitzplatz annehmen. Stehen und Festhalten in der Kurve belastet Rücken und Becken zusätzlich.

  • Aufstehen vom Sitz: beide Füsse am Boden, Knie zusammen, dann erst hochdrücken. Im Bett genauso: Knie anziehen, Becken und Schultern als Block drehen, über die Seite aufsitzen.

  • Einkäufe auf zwei Taschen verteilen oder liefern lassen. Aus den Knien heben, nicht mit Drehung.


Bei Beckengürtel und Symphyse


  • Treppen meiden, solange der Treppentest aus Muster 2 sticht, im Hauptbahnhof also Lift oder Rolltreppe; wo es nicht anders geht, jede Stufe mit demselben Bein zuerst nehmen.

  • Beim Drehen im Tramsitz und beim Aussteigen Knie zusammenhalten; Beine nicht übereinanderschlagen.

  • Das ältere Kind nicht auf einer Hüfte tragen; lieber Tragehilfe vorne oder das Kind selbst klettern lassen. Was dieselbe Hüfte auf Dauer mit dem Becken macht, steht im Beitrag Beckenschiefstand selbst testen.

  • Den Kinderwagen im Tram mit beiden Händen und ohne Verdrehen heben, oder jemanden bitten.

  • Velo: Das Auf- und Absteigen spreizt die Beine und ist oft der schmerzhafte Moment. Ob und bis zu welcher Woche Sie fahren, besprechen Sie mit der Hebamme.


Bei Lendenwirbelsäule und Ischias


  • Langes Sitzen im Zug unterbrechen: eine Station vor dem Ziel aufstehen und am Ausgang stehen.

  • Wärme auf unteren Rücken oder Gesäss, angenehm warm, nicht auf den Bauch.


Was heute hilft


  • Seitenlage mit einem dicken Kissen zwischen den Knien, ein zweites unter dem Bauch.

  • Beckenkippen im Vierfüsslerstand kann das Gewicht vom Becken nehmen und den unteren Rücken lockern.

  • Zum Anziehen hinsetzen, flache Schuhe, Gewicht auf beide Beine verteilen.

  • Ein Beckengurt kann bei Beckengürtelschmerzen für kurze Phasen entlasten, nicht als Dauerlösung; Ihre Hebamme berät Sie dazu.

  • Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit der Frauenärztin, neue Übungen nach Rücksprache mit der Hebamme.


Schwere, geschwollene Beine gegen Ende der Schwangerschaft haben mit dem Rücken wenig zu tun; was hilft und wann eine Schwellung abgeklärt gehört, steht im Beitrag Schwere Beine.


Wer macht was: Hebamme, Frauenärztin, Praxis


In der Schweiz sind Hebamme und Frauenärztin die ersten Adressen für Rücken- und Beckenschmerzen in der Schwangerschaft. Die Kontrolluntersuchungen bezahlt die Grundversicherung, bei der Frauenärztin oder bei der Hebamme, ohne Kostenbeteiligung.


Physio-Behandlungen bezahlt die Grundversicherung nur mit ärztlicher Verordnung, in Serien von höchstens neun Sitzungen; die Hebamme berät zu Hilfsmitteln und Übungen; die Verordnung dafür stellt die Ärztin aus, nicht die Hebamme. Nach der Geburt betreut Sie die Hebamme in den ersten Wochen zu Hause, ebenfalls über die Grundversicherung.


Eine Behandlung in meiner Praxis ergänzt das und ersetzt es nicht. Eine Behandlung in der Schwangerschaft erfolgt in Absprache mit Ihrer Hebamme oder Frauenärztin; bei akuten, unklaren oder ungewöhnlichen Beschwerden kommt die ärztliche Abklärung zuerst. Die Kosten laufen nicht über die Grundversicherung; ob Ihre Zusatzversicherung einen Teil übernimmt, lesen Sie auf der Seite Zusatzversicherung. Bleibt ein ISG-Schmerz nach der Rückbildung bestehen, gelten die Regeln wie ausserhalb der Schwangerschaft: ISG-Blockade lösen.


Wann zuerst ärztlich abklären?


Rücken- und Beckenschmerzen sind in der Schwangerschaft meist harmlos. Zwei Listen trotzdem, nach Dringlichkeit.


Sofort Geburtsabteilung oder 144


  • Taubheit im Gesäss-, Genital- oder Innenschenkelbereich, Schwäche in einem Bein, Probleme mit Blase oder Darm

  • Blutung oder Abgang von Fruchtwasser, schwallartig oder tröpfchenweise

  • starke Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, rasche Schwellung von Gesicht und Händen

  • plötzliche, sehr starke Schmerzen oder Schmerzen nach einem Sturz

  • deutlich weniger Kindsbewegungen als sonst

  • regelmässige, schmerzhafte Kontraktionen über mindestens eine Stunde; vor der 37. Woche gilt jede regelmässige Wehentätigkeit als sofort


Noch heute Hebamme oder Frauenärztin


  • Rückenschmerzen, die in Wellen kommen oder mit einem harten Bauch einhergehen

  • Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen in der Flanke oder Brennen beim Wasserlassen

  • ein einseitig geschwollenes, warmes, schmerzhaftes oder verfärbtes Bein; kommen Atemnot oder Brustschmerzen dazu, sofort 144

  • verfärbter, übelriechender Ausfluss

  • Beckenschmerzen, die das Gehen fast unmöglich machen


In all diesen Situationen ist eine Behandlung bei mir nicht der richtige Schritt.


Wohin in Zürich: Hebamme, Frauenärztin, Geburtsabteilung


Erste Adresse ist Ihre eigene Hebamme oder die Frauenarztpraxis, noch am selben Tag. Ausserhalb der Praxiszeiten und bei allem aus der ersten Liste wenden Sie sich an die Geburtsabteilung des Spitals, in dem Ihre Geburt geplant ist. Bei Lebensgefahr wählen Sie 144. Eine Permanence oder Notfallpraxis ist bei Beschwerden in der Schwangerschaft meist nicht die richtige erste Adresse. Wer noch keine Hebamme hat, findet eine über die Hebammensuche des Schweizerischen Hebammenverbands.


Häufige Fragen


Was hilft sofort gegen Rückenschmerzen in der Schwangerschaft? Positionswechsel, Seitenlage mit einem dicken Kissen zwischen den Knien, Beckenkippen im Vierfüsslerstand und angenehme Wärme auf dem unteren Rücken. Bei Beckengürtelschmerzen zusätzlich: Knie beim Umdrehen und Aufstehen zusammenhalten, Treppen Stufe für Stufe, Lift statt Treppe.


Ab wann bekommt man in der Schwangerschaft Rückenschmerzen? Manche spüren schon im ersten Drittel ein Ziehen, die meisten bemerken die Beschwerden, wenn der Bauch sichtbar wird; im letzten Drittel sind sie oft am deutlichsten. Beckengürtelschmerzen können in jeder Phase beginnen; ein fester Zeitpunkt lässt sich nicht nennen.


Ischias in der Schwangerschaft: was tun? Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien, sanfte Bewegung und Wärme auf dem Gesäss können entlasten; langes Sitzen und schweres Heben meiden. Zieht der Schmerz nicht unter das Knie, steckt oft kein gereizter Nerv dahinter, sondern ein Beckengürtel- oder Muskelschmerz. Bei Taubheit, Schwäche im Bein oder Problemen mit Blase oder Darm sofort in die Geburtsabteilung oder 144.


Hilft eine Massage bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft? Eine an die Schwangerschaft angepasste Behandlung kann verspannte Muskulatur von Rücken, Gesäss und Hüfte lockern; sie ersetzt weder Hebamme noch Frauenärztin. Ob eine Behandlung in Ihrer Situation passt und wie der Termin abläuft, steht auf der Seite Becken-Therapie in der Schwangerschaft.


Termin in meiner Praxis


Sie haben Ihr Muster erkannt, Hebamme oder Frauenärztin sind informiert, und Sie möchten die Muskulatur von Rücken, Gesäss und Hüfte behandeln lassen? Dann buchen Sie Ihren Termin bequem online oder kontaktieren Sie mich persönlich. Die Praxis liegt an der Seidengasse 17 in Kreis 1 zwischen Löwenplatz und Bahnhofstrasse, wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof; die Tramhaltestelle Löwenplatz (Linien 3 und 14, Bus 31) liegt am Anfang der Seidengasse.

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